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Das Team:

OA Dr. med. R. Wagner
Schockraum
Umlagerung
Intensivstation
Wirbelbruch
Hüftpfannenbruch
Beckensprengung

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Polytrauma- Sprechstunde

Die Polytrauma-Sprechstunde findet Mittwochs von 8:00- 14:00 Uhr statt.

Telefonische Anmeldung erforderlich unter: 0931-201-37501

Die Universitätsklinik Würzburg ist als überregionales Traumazentrum Teil des Traumanetzwerks Nordbayern-Würzburg. Die Behandlung von polytraumatisierten Patienten stellt somit eine Hauptaufgabe der Klinik dar.

Als Polytrauma bezeichnet man einen Patienten mit einer Verletzung mehrerer Körperregionen oder von Organsystemen (Kopf, Gesicht, Brustkorb, Bauchhöhle, Gliedmaßen, Körperoberfläche), wobei wenigstens eine Verletzung oder die Kombination von mehreren Verletzungen lebensbedrohlich ist.

Eine andere Definition eines Polytraumas erfolgt nach dem Injury Severity Score (ISS). Wenn dieser größer oder gleich 16 Punkten ist, spricht man von einem Polytrauma. Beim ISS handelt es sich um die Summe der Verletzungsschwere der 3 am meisten verletzten Körperregionen. Hierdurch können schwere und schwerste Einzelverletzungen ebenfalls zu einem Polytrauma führen.

Häufigkeit

In Deutschland erleiden ca. 32.500-38.000 Patienten pro Jahr einen Unfall mit einer Verletzungsschwere ISS>=16. Das Polytrauma stellt die führende Todesursache der unter 44-Jährigen dar. Die Überlebensrate nahm in den letzten Jahren auf 78% zu. Das männliche Geschlecht ist deutlich häufiger betroffen. Meist handelt es sich dabei um stumpfe Verletzungsmechanismen [~90 %]. Bei den Verletzungen führen Schädel-Hirn-Verletzungen mit ca. 60 % vor Gliedmaßenverletzungen [ca. 50 %] und Thoraxverletzungen [ca. 25 %]. Es zeigt sich eine Häufung der Unfallzeit zwischen 16 und 20 Uhr, sowie am Wochenende. Die Gesamt-Sterblichkeit liegt zwischen 15 und 25%.

Im Universitätsklinikum Würzburg werden 700-800 Patienten pro Jahr über den Schockraum eingeliefert, von denen 100-150 Patienten die Definition eines Polytraumas nach ISS erfüllen.

Die Therapie beginnt bereits durch den Rettungsdienst. Nach einer kurzen Untersuchung (Body-check) erfolgt die Sofort- Therapie mit primärem Ziel der unverzüglichen Wiederherstellung und Aufrechterhaltung der lebenswichtigen Funktionen (Be-/Atmung, Kreislauf) und der Vermeidung weiterer Schädigungen durch Prävention/Behandlung des akuten Schockzustandes. Die Kenntnis des Unfallgeschehens kann entscheidende Hinweise auf die Verletzungsschwere geben (z. B. Tod eines Beifahrers, Sturz aus einer Höhe von mehr als 3 m…)

Handlungsgrundlagen sind hierbei Algorithmen wie der "systemic prehospital life support" (SPLS©) und der " advanced trauma life support " (ATLS© ). Ein polytraumatisierter Patient sollte nach Stabilisierung und Herstellung der Transportfähigkeit ein qualifiziertes überregionales Traumazentrum gebracht werden, wo eine entsprechende Infrastruktur zur Weiterbehandlung vorliegt, da dies das Überleben und das Ausheilungsergebnis wesentlich beeinflusst. Im Traumazentrum erfolgt anschließend nahtlos der Übergang in die klinische Behandlungsphase, wobei weiterhin die Prinzipien des ATLS© gelten.

Einteilung der klinischen Behandlung

  • Akut-Reanimationsphase mit lebensrettenden Sofortmaßnahmen und lebensrettende Operationen sowie Notfalldiagnostik/Notfalltherapie
  • Primärphase (1. Stabilisierungsphase) mit erweiterter Notfalldiagnostik
  • Sekundärphase (2. Stabilisierungsphase) mit Intensivtherapie, weiterer Diagnostik, dringlichen Operationen
  • Tertiärphase (Rehabilitationsphase) mit aufgeschobenen Operationen und Rehabilitationsmaßnahmen.

Die klinische Erstbehandlung erfolgt im Schockraum durch ein interdisziplinäres Team aus den beteiligten Fachabteilungen wie Anästhesie, Unfallchirurgie, Allgemeinchirurgie, Radiologie, Neurochirurgie und fakultativ weiteren wie z.B. HNO oder Augenheilkunde. Zusätzlich zur erneuten klinischen Untersuchung  werden Bildgebungsverfahren wie Ultraschall, Röntgen und Computertomographie ("CT") durchgeführt um schnellstmöglich alle Verletzungen zu erkennen.Durch verbesserte Technik in den letzten Jahren kommt es jetzt zu einer zunehmenden Indikation zur primären Computertomographie („Traumaspirale“), die die oben aufgeführten Untersuchungen teilweise ersetzt. Hierbei wird zunächst ein Scout gefahren, der erste grobe Hinweise auf Verletzungen geben kann. Es schließt sich dann eine CT von Kopf bis einschließlich Becken („tip-to-toe“) an. Durch die Gabe von Kontrastmittel können Blutungen direkt erfasst werden.

Das Zentrum für operative Medizin (ZOM) der Universitätsklinik Würzburg hat einen der modernsten Schockräume Deutschlands mit einem integrierten CT, wobei als Besonderheit nicht der Patient in das CT, sondern das CT über den Patienten gefahren wird, was zusätzliche Schäden durch die Bewegung des Patienten vermeidet.

Die frühe klinische Therapie erfolgt parallel zu den Untersuchungen. Hierzu gehören u.a. Beatmung ("Intubation"), das Legen ausreichender peripherer Zugänge, zentral-venöser Zugang, arterieller Zugang, Infusionstherapie, Einrichten von Brüchen, ggf. Blutsubstitution, Kompressionsverbände, Tetanus-Simultanimpfung.

Falls erforderlich kommt es bereits im Schockraum zur sofortigen Notfall-Operation wie Notthorakotomie, Notlaparotomie, Thoraxdrainage, operative Versorgung stammnaher Massenblutungen, Blutstillung oder Stabilisierung bei Beckenzerreißung mittels Beckenzwinge.

Bei der Weiterbehandlung gilt das Prinzip der Schadensbegrenzung ("damage control"). Dieses hat die Behandlung von polytraumatisierten Patienten in den letzten 20 Jahren wesentlich verändert. Hier wird versucht durch die schnelle operative Versorgung der lebensbedrohlichen Verletzungen ein Organversagen abzuwenden.

Nach intensivtherapeutischer Stabilisierung kann dann die definitive operative Ausversorgung der Verletzungen in weiteren Schritten stattfinden.

Wichtig für ein gutes Ergebnis ist ebenfalls ein frühzeitiger Einsatz von Physiotherapie und Rehabilitationsmaßnahmen, das bereits auf der Intensivstation beginnt.

Es hat sich gezeigt, daß die Verletzungsschwere, das Verletzungsmuster, das Alter des Patienten,Vorerkrankungen sowie der Unfallmechanismus einen wesentlichen Einfluss auf das Überleben und das Behandlungsergebnis haben.

Da oftmals sehr komplexe Verletzungsmuster mit mehreren, teilweise ineinandergreifenden Problemen, die Folge von solchen schwersten Verletzungen sind, muss die Nachsorge dementsprechend differenziert und individuell erfolgen. Dies ist das Ziel unserer Polytrauma-Sprechstunde.

Für eine externe Qualitätssicherung erfolgt die Teilnahme am " Traumaregister " der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie. Weiterhin richtet unsere Klinik in Zusammenarbeit mit der Klinik für Anästhesiologie regelmässige Fortbildungen an. Alle beteiligten Fachdiziplinen treffen sich regelmässig im internen Qualitätszirkel Polytrauma.

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